Mit der neuen Kunstbrücke bietet das RAIQA einen Ausstellungsraum, der Kunst nicht nur zeigt, sondern den Raum selbst mitdenkt. Silvia Höller und Dorit Margreiter Choy über Offenheit, Flexibilität und die Chance, Kunst in einem lebendigen Quartier neu zu verankern. Die Kunstbrücke hat im RAIQA eine neue Heimat gefunden. Was zeichnet den neuen Raum aus? Silvia Höller: Das Besondere ist, dass der Ausstellungsraum selbst als Kunstprojekt gedacht wurde. Uns war wichtig, neue Wege zu gehen und Kunstschaffende selbst in die Planung einzubeziehen. Daher haben wir 2020 im Rahmen eines geladenen Kunst-am-Bau-Wettbewerbs drei Künstler:innen eingeladen, Ideenkonzepte zu entwickeln. Frau Margreiter Choy, was war an diesem Projekt besonders spannend? Dorit Margreiter Choy: Mich hat an diesem Projekt besonders interessiert, dass es einerseits um einen künstlerischen und andererseits um einen produktiven Zugang zur Frage des Ausstellens geht. In meiner eigenen Arbeit gehe ich immer wieder der Frage nach, wie Ausstellung als Medium funktioniert und wie dieses Medium auch immer wieder neu gedacht werden kann. Warum fiel die Entscheidung genau auf dieses Konzept? Silvia Höller: Der Entwurf von Dorit Margreiter Choy überzeugte uns durch die Idee, den Raum nicht statisch, sondern dynamisch, experimentell und offen zu denken, funktionale wie nachhaltige Aspekte mitzudenken und ihm eine unverwechselbare Identität zu verleihen. Was macht diesen Raum konkret besonders? Dorit Margreiter Choy: Das Ziel war, einen Ausgangspunkt zu schaffen, der sowohl eine klassische Hängung wie auch räumliche, skulpturale Konstellationen erlaubt. Es sollen Sound-Arbeiten oder filmische und digitale Werke ein ebenso passendes Umfeld vorfinden wie Performances oder auch Vorträge und andere Veranstaltungen. WO RAUM UND KUNST ZUSAMMENWIRKEN 1. Silvia Höller ist die künstlerische Leiterin der Kunstbrücke Innsbruck und verantwortet deren kuratorische Ausrichtung sowie das Ausstellungsprogramm. 2. Mirror Maze, 2019, Videostill, 2-Kanal-Videoinstallation, Loop. Courtesy Studio Dorit Margreiter Choy, Charim Galerie Wien, Sammlung mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit dabei? Dorit Margreiter Choy: Ausstellungsarchitektur ist oft aufwendig und teuer und wird nach kurzer Zeit wieder entsorgt. Ich wollte eine Struktur entwickeln, die ressourcenschonend ist und langfristig genutzt werden kann. Wie fügt sich die Kunstbrücke ins RAIQA ein? Silvia Höller: Das RAIQA versteht sich als offenes Quartier, und die Kunstbrücke ist Teil dieses Gedankens. Natürlich muss Kunst in einem so lebendigen Haus ihre Eigenständigkeit behaupten, aber genau diese Verbindung mit anderen Nutzungen sehen wir als Chance. Die Synergien mit Gastronomie, Veranstaltungszentrum und den öffentlichen Bereichen machen absolut Sinn. Was kann und soll Kunst aus Ihrer Sicht leisten? Silvia Höller: Kunst kann uns persönlich wie gesellschaftlich bereichern, indem sie – jenseits einer rein ästhetischen Erfahrung – unseren Blick auf unterschiedliche Themen und Perspektiven lenkt und Denkräume öffnet. Sie kann überraschen, inspirieren und zum Austausch anregen. Was verändert sich mit dem neuen Standort? Silvia Höller: Die Kunstbrücke gibt es seit 1998, Entwicklungsspielraum gab es bisher aber kaum, weil der frühere Raum deutlich eingeschränkter war. Jetzt gibt es neue Möglichkeiten. Die Kunstbrücke wird dadurch offener und auch anschlussfähiger für neue Formate. Welche Ausrichtung verfolgen Sie künftig? Silvia Höller: Unser Fokus liegt auf zeitgenössischer Kunst und auf Einzelausstellungen mit renommierten Künstler:innen aus Tirol, Österreich und dem Alpenraum. Die Kunstbrücke bleibt regional verankert, öffnet sich aber damit programmatisch. Ein fixer Bestandteil bleibt der RLB-Kunstpreis, der alle zwei Jahre stattfindet – so auch heuer. Was wünschen Sie sich für die neue Kunstbrücke? Silvia Höller: Dass sie ein Ort wird, an dem Menschen gerne mit Kunst in Berührung kommen – vielleicht geplant oder vielleicht auch ganz zufällig.| 1 2 Kunstbrücke: Mo. – Fr.: 14 – 18 Uhr Sa.: 10 – 13 Uhr
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